Fünf Jahre Pro Inklusio Fachschule

15.06.2016

Auch die Pro Inklusio – Fachschule für Sozialpädagogik wird in diesem Jahr fünf Jahre alt. Carolin Szesny, Leiterin der Fachschule, erzählt von den Anfängen, den Schwerpunkten in der ErzieherInnen-Ausbildung und den Zukunftsperspektiven der Schule.

Die Idee der Gründung einer eigenen Schule entstand durch die im Fort- und Weiterbildungsbereich gesammelten „Felderfahrungen“. In diesem Rahmen bot PROCEDO von 2010 bis 2012 sogenannte „Vorbereitungskurse auf die Nichtschülerprüfung zum staatlich geprüften Erzieher“ an. Die guten Ergebnisse dieser Kurse ermutigten mich, eine „richtige“ Schule zu eröffnen.

Die Frage nach dem besonderen Profil war schnell beantwortet: Langjährige Erfahrungen in der Reha-Pädagogik, im Strafvollzug und in der Jugendhilfe hatten meinen Blick für das Lernen in besonderen Lebenslagen und unter Benachteiligungen geschärft. Udo Glass’ Vision, eine an den praktischen Bedarfen orientierte Fachschule für Sozialpädagogik zu gründen, war damit ein verlockendes Abenteuer. Mit dem Fokus auf Inklusion, dem Leitmotiv der vorurteilsfreien Bildung und Erziehung und der integrierten FacherzieherInnen-Ausbildung sollten sich auch meine „Herzensanliegen“ im Schulprofil wiederfinden. In kürzester Zeit wurde (im Wesentlichen mit einem „Mitarbeiterstab“ von drei Personen) ein funktionierender Lehrbetrieb auf die Beine gestellt.

Die Pro Inklusio – Fachschule startete im Herbst 2011 mit 31 StudentInnen in einer Klasse. Neun Kooperationspartner garantierten die Belegung der Klassen mit einer Mindestanzahl von Studierenden und sind seit Beginn auch an der Entwicklung der Ausbildungsinhalte beteiligt. Der pädagogische Beirat, das Gremium der kooperierenden Träger und eine der Säulen der Fachschule übernehmen eine aktive Rolle durch die Mitsprache und Mitbestimmung bei der Gestaltung der Abläufe, der Lehrinhalte, bei Höhepunkten und im Rahmen der praktischen Ausbildung. Von Beginn an war der Anteil von männlichen Studierenden mit über 30 Prozent sehr hoch, besonders im Bereich der Ganztagsbetreuung an Schulen.

Gut ausgestattet mit hohen Ansprüchen und einer ansehnlichen Portion Idealismus stellten wir bald fest, dass ein gutes Unterrichtsangebot von vielen Faktoren abhängt, z.  B. dass Menschen besser lernen, wenn sie auf dem richtigen Stuhl sitzen, nicht frieren müssen, die DozentInnen gut verstehen und gut informiert sind. Eines der größten Probleme war anfangs die räumliche Situation: Zur Verfügung stand ein Erdgeschoss im typischen Berliner Hinterhof, der allen Beteiligten viel Nachsicht abverlangte. Auch sonst befand sich vieles noch im Experimentierstadium, wie die Studierenden in einem Film präsentierten, in dem sie sich als „Versuchskaninchen“ in einem Labor porträtierten – zum Glück auf sehr humorvolle Weise!

Inzwischen sind wir erheblich professioneller. Seit dem Umzug in die Muskauer Straße findet der Unterricht in nahezu idealen Räumlichkeiten statt. Abläufe, Unterrichtsinhalte und Methoden sind immer besser aufeinander abgestimmt.

Was die Pro Inklusio – Fachschule gegenüber vergleichbaren Einrichtungen auszeichnet, ist vor allem das ausgefeilte Praxiskonzept: die enge Verzahnung von Praxis und Unterricht, die Praxisbegleitung durch MentorInnen, die im persönlichen Kontakt zur Schule stehen sowie deren Schulung.

Für uns verbirgt sich darin, selbstverständlich neben einer modernen, wissenschaftlich begründeten und praxisrelevanten Lehre und der sich darin ausdrückenden engagierten Arbeit der DozentInnen, der Schlüssel zu einer hochwertigen Ausbildung und zu AbsolventInnen, die in der Lage sind, ihr erworbenes Wissen in den pädagogischen Arbeitsalltag einzubringen. Und nicht nur das: Sie tragen auch etwas vom Idealismus der Schule und von deren Glauben an eine gute Zukunft für alle Kinder durch bessere Bildungsangebote in die Praxis. Von den Trägern erhält die Schule deshalb auch durchweg ein positives Feedback.

Leider steht der Arbeitsbereich Schule/Ganztag wenig im Fokus der ErzieherInnenausbildung. 70 bis 80 Prozent der Kooperationspartner von Pro Inklusio stammen aus dem Bereich Kindertagesbetreuung, entsprechend dominieren diese Inhalte die Ausbildung. SOCIUS stellt mit 20 Studierenden mit Abstand den größten Teil der Auszubildenden an Schulen.

Der Hort wird leider oft als „Anhängsel“ des „Gesamtpakets Schule“ ohne eigenständigen Bildungsauftrag verstanden. Diese „Rollendiffusion“ spiegelt sich in der Ausbildung wider. Während viele klassische Ausbildungsinhalte in der Schulpraxis gar nicht vorkommen, müssen relevante Themen für die Schule zusätzlich behandelt werden. Die BeraterInnen von SOCIUS und deren Rückkopplung mit der Fachschule sind für die Auszubildenden daher extrem wichtig.

ErzieherInnen an den Schulen sollten befähigt werden, die Kinder auf den nächsten Entwicklungsschritt, auf ein Leben in Selbstständigkeit vorzubereiten. Spätestens als sogenannte „Lücke-Kinder“ müssen sie die Kompetenzen besitzen, selbstständig und verantwortungsbewusst in den neu hinzukommenden Freiräumen zurechtzukommen. Sie sollten die dafür notwendigen Selbst- und Sozialkompetenzen besitzen, die Grundlagen für ein Leben in einer demokratischen Gesellschaft erworben haben und dazu auch noch über ganz pragmatische Fähigkeiten verfügen, wie z.  B. kochen oder sich selbstständig in der Stadt bewegen können.

Der Abschlussjahrgang 2015 hat uns mit großer Zufriedenheit verlassen. Im Sommer 2016 starten wir erstmalig einen zweiten Ausbildungsgang innerhalb eines Jahres, dann wird die Pro Inklusio – Fachschule etwa 200 Studierende unterrichten. Mit dem ESF-Programm „Quereinstieg – Mehr Männer und Frauen in der Kindertagesbetreuung“ hat Pro Inklusio jetzt die Gelegenheit, die Qualität bisher nebenbei geleisteter Arbeit zu verbessern. Querschnittsthemen wie Gender-Gleichstellung, Sprachentwicklung und interkulturelle Bildung sollen durchgängig in das Curriculum eingearbeitet werden, ebenso der Leitgedanke der vorurteilsfreien Bildung und Erziehung. Hierzu werden in Zusammenarbeit mit der Fachstelle „Kinderwelten“ des ISTA Instituts für den Situationsansatz zwei KollegInnen als MultiplikatorInnen ausgebildet. Mehrere Termine mit der Leiterin Petra Wagner sollen außerdem dazu dienen, unsere operative pädagogische Tätigkeit hinsichtlich des Ansatzes der vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung zu reflektieren.

Auch in einem professionalisierten Betrieb versuchen wir, das Nahbare und Menschliche aus den Anfängen zu erhalten. Wir hören zu, reagieren individuell und stehen zu eigenen Schwächen.

Die Zusammenarbeit mit SOCIUS und OPTIMUS steigert natürlich ganz extrem die Qualität der ErzieherInnen-Ausbildung an Schulen. Einigen unserer AbsolventInnen begegnen wir über die Jahre immer wieder: Erst machen sie bei Pro Inklusio den Abschluss als ErzieherIn, dann belegen sie die Fortbildung zur FacherzieherIn für Sprache oder Integration bei PROCEDO und ein paar Jahre später sieht man sie bei einer Führungskräfte-Fortbildung wieder. Wir freuen uns natürlich, wenn die Bausteine, die wir als Bildungspartner anbieten, so wahrgenommen werden. So richtig feiern werden wir das dann an unserem zehnten Geburtstag!


int_pro_inklusio_carolinsCarolin Szesny, Schulleiterin Pro Inklusio – Fachschule für Sozialpädagogik von 2011 bis 2017
ist Diplom-Rehabilitationspädagogin und Erzieherin. Vor dem Aufbau und der Leitung der Fachschule langjährige Erfahrung in der Straffälligenhilfe, Behinderten- und Jugendhilfe, als Kita-Beraterin und Dozentin in Fort- und Weiterbildungen.

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